Name: Thymus vulgaris (Lt), Gartenthymian (Dt)
Familie: Lamiaceae (Lt), Lippenblütengewächse (Dt)
Wirkung Thymus vulgaris
Schon bei Hippokrates stand die Pflanze in hohem Ansehen, und auch Lonicerus und Bock empfehlen sie bei Asthma, Atemnot, gegen Würmer, geronnenes Blut, Vergiftung, als Emmenagogum und zum Austreiben der Plazenta und der toten Geburt.
(Madaus 1938)
Als nerven- und magenstärkend, "grimmenstillend" und auflösend wird Thymian von v. Haller beschrieben.
(Madaus 1938)
Nach Bentley und Trimen wird er in der amerikanischen Medizin gelegentlich zu Bädern, Kataplasmen und Fomentationen benutzt. In der Volksmedizin gilt er u.a. als bewährtes Mittel bei Unterleibskrämpfen (Dysmenorrhöe), Kolik, Kopfschmerzen, Verschleimungen, Magenkrampf, Skrofulose, Husten, Keuchhusten, Katarrhen der Luftwege, Tuberkulose, Lungenentzündung, Bronchialasthma, als wassertreibendes Mittel, in Form von Waschungen und Umschlägen bei Quetschungen, Verrenkungen, Geschwülsten, als Zusatz zu Bädern für schwächliche, insbesondere skrofulöse Kinder.
(Madaus 1938)
Schulz nennt ihn ein Beachtung verdienendes, bequemes Hausmittel bei eitrigen Bronchitiden und Keuchhusten, das von Kindern gern genommen werde und bei Epidemien, frühzeitig gegeben, die Hustenanfälle deutlich mildere und ihre Zahl vermindere.
(Madaus 1938)
Außer bei Keuchhusten läßt Bohn das Kraut auch bei nervösen Leiden der Luftröhre und nervösem Husten verwenden.
(Madaus 1938)
Leclerc ist die Anwendung als nervenstärkendes Tonikum bei Chlorose und Asthenie und — auf Grund der antispasmodischen und antiseptischen Eigenschaften — bei Erkrankungen der Atmungsorgane bekannt.
(Madaus 1938)
Der Italiener Inverni spricht dem Thymian karminative, emmenagoge, antispasmodische und diaphoretische Eigenschaften zu.
(Madaus 1938)
Wizenmann nennt ihn auch bei Diarrhöen infolge von Darmgeschwüren.
Mittels der Röntgenbronchographie prüfte Gordonoff die Wirkung der Expektorantien und fand dabei, daß Thymian stark sekretomotorisch und schwach sekretolytisch wirkt. Die auch von Gordonoff vertretene alte Ansicht, daß die Phenole der Thymianarten in der Lunge ausgeschieden werden, wurde von Schröder und Vollmer widerlegt. Dabei konnte mit quantitativen Methoden das Schicksal der Phenole aus Thymus serpyllum-Extrakten oder der reinen Phenole im Organismus verfolgt werden. Der Mechanismus der expektorierenden Wirkung ist dementsprechend zunächst unklar. In Tierversuchen (Ratten) wurde gefunden, daß Thymian als Infus ziemlich stark diuretisch wirkt. Hier soll, entgegen der gewöhnlichen Annahme, nicht das Thymol die eigentlich diuretisch wirkende Substanz sein, denn die dem Teeaufguß von Herba Thymi entsprechende Menge Thymol wirkte fast gar nicht diuretisch. Von anderen Untersuchern wurde eine gallensekretionsfördernde Wirkung experimentell festgestellt. An dekapitierten, thorakotomierten Katzen konnte durch Injektion von Extrakten aus frischem Thymian eine Aufhebung des künstlichen Pilocarpinspasmus erzielt werden. Ein Droseraextrakt und verschiedene Extrakte aus dem getrockneten Thymian, ebenso wie Oleum Thymi und Thymol zeigten sich dagegen unwirksam. Als wichtigster Bestandteil wird das ätherische Öl bezeichnet. Dieses enthält Thymol oder ein Gemenge der Isomeren Thymol und Carvacrol. Dabei kann das Carvacrol überwiegen. Thymol wirkt stärker antiseptisch als Phenol und die Kreosole und tötet pathogene Pilze, sogar Actinomyces, ab. Myers rät daher, perorale Thymol-Darreichung bei inneren Pilzerkrankungen zu versuchen, zumal er in zwei Fällen von Lungenmoniliosis und Actinomykosis Erfolge erzielen konnte.
(Madaus 1938)
Auch bei Gärungsprozessen im Verdauungstraktes kommt die antiseptische Wirkung des Thymols zur Geltung. Weiter wird er gegen Würmer, besonders Ankylostoma, und äußerlich in Salbenform gegen Hautjucken gebraucht. Nach Meyer wird es auch bei Trichocephalus dispar mit gutem Erfolge in der Dosis von 2—10 g des Pulvers für Erwachsene gegeben. (Diese Dosis erscheint viel zu groß, da nach Leichtenstern schon nach 6 g Thymol beim Menschen ein Todesfall beobachtet wurde, in anderen Fällen Albuminurie mit Erbrechen und starken Leibschmerzen.) Wegen der Vergiftungsgefahr muß für rasche Darmentleerungen gesorgt werden. Nach Munk ist das Thymol auch ein Radikalmittel bei Trichinosis. Er gab eine 5%ige Thymollösung in Olivenöl und spritzte diese Mischung in dem Augenblick, in dem die Trichinen in die Muskeln wandern, subkutan ein.
(Madaus 1938)
Krinski, Ugrumov und Hamza erzielten im Jahre 1924 bei der Lepra sehr schöne Heilerfolge, in dem sie Thymol in Sesamöl (10%ig) in die befallenen Stellen injizierten. Daß bei dem innerlichen Gebrauch aber große Vorsicht angezeigt ist, geht aus den Beobachtungen von Edens hervor, nach denen bei Kropfkranken bereits die Aufnahme kleiner Dosen Thymol nach mehr oder weniger langer Zeit schwere Thyreotoxikosen hervorruft. Als weitere Schädigungen bei Überdosierung von Thymol werden angegeben Lähmungen des Zentralnervensystems, Temperaturabfall, Puls- und Atemverlangsamung, Albuminurie und Hämaturie, Hyperämie und fettige Degeneration der Organe. Durch den Gebrauch von Thymol wird der Harn grün bis nahezu schwarz verfärbt. Außer dem ätherischen Öl wurden im Kraut nachgewiesen Saponin, Harz, Pentosane und Gerbstoff (über 10%). Balansard fand 0,18% Glukosid und 0,19% saures Saponin. Bei Untersuchungen über Toxingehalt wurden sehr geringe Mengen von ausfällbarem Eiweiß von starker Giftigkeit festgestellt. Die blühende Pflanze wirkt stark hemmend auf die Keimflora des Preßsaftes. Sie tötet Bacterium coli.
(Madaus 1938)
Zubereitungen aus Thymiankraut besitzen eine expectorierende Eigenschaften, die über bronchspasmolytische und sekretomotorische Wirkungen zustande kommen. Das in den Zubereitungen enthaltene Thymol hat starke antibakterielle Wirkungen.
(Fintelmann 1993)