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Name: Viscum album (Lt), Mistel (Dt)
Familie: Visceraceae (Lt), Mistelgewächse (Dt)

Wirkprinzipien Viscum album

Die Mistellektine (ML) ähneln in ihrer Wirkung dem Ricin, einem Lektin aus dem Samen von Ricinus communis. Die A-Ketten (= Toxomer) enthalten eine Enzymdomäne mit Ca2+-abhängiger N-Glycosidase-Aktivität, die nach rezeptorvermittelter Endozytose des Lektins bei Kontakt mit eukaryotischen Ribosomen in der 28S-rRNS einen Adeninrest deribosyliert. Damit wird die rRNS-Kette gespalten und die Ribosomen werden inaktiviert, womit die Proteinsynthese gestoppt wird. Dieser Effekt hat wiederum Ähnlichkeit mit den Eigenschaften von Ricin.

Immunmodulierende Wirkung: Lektine steigern die Phagozytose-Aktivität von Makrophagen und fördern die Synthese und Freisetzung von TNF-alpha sowie die Freisetzung von IL-1-alpha, IL-2, IL6 und Interferon-gamma aus Lymphozyten und Monozyten/Makrophagen. Sie stimulieren außerdem die Bildung von IL-2-Rezeptoren auf T-Zellen und von HLA-DQ-Rezeptoren auf B-Zellen. Mistelextrakte fördern die Proliferation der Lymphoblasten und NK-Zellen und bewirken Apoptose. Sie beschleunigen auch die Hämatopoese und die Regeneration des Knochenmarks nach der Bestrahlung mit Gammastrahlen.
(Urech et al. 1995, Fischer et al. 1997, Ribereau-Gayon et al. 1997, Stein et al. 1998, Pae 2000, Kim 2001, Park et al. 2001, Lyu et al. 2002)

Die Immunmodulation scheint auch von manchen Vogelarten erkannt und verwendet zu werden. Bestimmte Kräuter, auch Misteln, werden ins Nest gegeben. Helga Gwinner und Mitarbeiter aus dem Max Planck Institut für Ornithologie in Andechs vertreten in ihrer "Drogen Hypothese" dass u.a. die Mistelanteile das Immunsystem der Nestlinge stimulieren und so Überlebensvorteile bewirken.
(Gwinner et al. 2000)

Direkte zytotoxische Wirkung: Viele Tumorzellen, aber auch normale Zellen, besitzen Bindungsstellen für Mistellektine. Diese werden über ihre B-Kette gebunden, was zunächst zur Agglutination der Zellen führen kann. Die Lektine werden dann endozytotisch in die Zellen aufgenommen. Dort inaktivieren die A-Ketten der Lektine die Proteinkette in den 60-S-Untereinheiten der Ribosomen zellfreier Systeme. Die Lektine wirken demnach zunächst zytostatisch auf intakte Zellen und in höheren Konzentrationen und durch das Eindringen in die Zellen zytotoxisch, worauf die Zelle mit der Einleitung des programmierten Zelltodes, der Apoptose, reagiert. Oligo- und Polysaccharide wirken als Adjuvanzien: Sie fördern die Ausbildung von Konjugaten zwischen NK-Zellen und Tumorzellen und damit die Abtötung der Tumorzellen durch die Natürlichen Killerzellen. Außerdem fördern sie die Freisetzung von TNF-alpha aus Monozyten/Makrophagen und die Freisetzung von IFN-gamma aus T-Zellen.

Die Viscotoxine haben einen hohen Gehalt an L-Arginin und L-Lysin. Dieser verursacht einen hohen isoelektrischen Punkt, der sie befähigt, histonähnlich mit DNS in Wechselwirkung zu treten. Der amphiphile Charakter ist für ihre destruktive Wirkung auf Membranen verantwortlich und somit an ihrer zytotoxischen Wirkung mitbeteiligt. Die Viscotoxine verstärken darüber hinaus die NK-Zell-vermittelte Zytotoxität.
(Tabiasco et al. 2002)

Ligatoxin B: ein neues zytotoxisches Protein, hat vermutlich ähnliche Wirkung über DNS-Bindung wie die Viscotoxine.
(Li et al. 2002)

Bei hohen (nicht der Therapie entsprechenden) Konzentrationen haben die Mistellektine, Viscotoxine und Ligatoxin B starke toxische Nebenwirkungen (siehe dazu auch die Beschreibungen im Abschnitt Biologische Wirkprinzipien, LD50).

Quellen: (Hager 1994, Urech et al. 1995, Fischer et al. 1997, Ribereau-Gayon et al. 1997, Stein et al. 1998, Rimpler 1999, Adam et al. 2000).

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