Name: Vitex agnus castus (Lt), Mönchspfeffer (Dt)
Familie: Vebenaceae (Lt), Eisenkrautgewächse (Dt)
Wirkung Vitex agnus castus
Regulierend bei Zyklusstörungen.
(Kom-E 1992)
Bereits von Hippokrates wird Agnus castus als Mittel gegen Verletzungen, Entzündungen und Milzschwellung erwähnt. Erwärmende und zusammenziehende Wirkung schreibt Lonicerus der "Schaafmülle" zu, deren Beeren und Blätter er als Anaphrodisiakum, Emmenagogum, Karminativum, Galaktagogum, gegen Wassersucht, Leber- und Milzsucht empfiehlt. Äußerlich läßt er die Blätter, in Wein gekocht, gegen Mund- und Zahngeschwüre, Rhagaden und Entzündungen der Genitalien anwenden. In zu großen Gaben sollen sie "das Haupt schwächen" und einschläfern.
(Madaus 1938)
Matthiolus gibt die gleichen Indikationen an, hebt aber besonders Unkeuschheit hervor und verordnet Agnus castus zusammen mit Seeblumenwasser (Nuphar lut.) gegen Gonorrhöe.
(Madaus 1938)
Johnson rühmt es als leber- und milzreinigend, dienlich gegen Schwellungen der Genitalien, Schmerzen und Entzündung des Uterus und Kopfschmerzen.
(Madaus 1938)
v. Haller nennt gleichfalls Gonorrhöe und Unkeuschheit als Hauptindikationen von Agnus castus.
(Madaus 1938)
Bei den Ärzten des 19. und 20. Jahrhunderts ist Keuschlamm in Vergessenheit geraten, und nur die Homöopathie macht von seinen Heilkräften als Aphrodisiakum und bei Erschlaffung des Sexualapparates (hier in höheren Verdünnungen) Gebrauch.
(Madaus 1938)
Will man Agnus castus mit Hormonen vergleichen, so scheint es eine starke Corpus-luteum-ähnliche Wirkung zu besitzend. In Versuchen an weiblichen Ratten wurde eine starke Östrusverzögerung beobachtet, während am Uterus makroskopisch keine Veränderungen zu erkennen waren. Geprüft wurde die Wirkung von Samen, Rinde und Blättern. Am schwächsten wirken die Blätter, am stärksten die Samen. Die Wirkung zeigt sich sowohl beim Verfüttern als auch nach Injektion. Bei täglichen peroralen Dosen von 0,5 - 1 g von Samen und Rinde zeigte sich als Durchschnittsergebnis von sieben größeren Versuchsreihen, gemessen an der Zahl der Schollentage (Östrus) auf den Monat, eine Abnahme von 20,9%. Bei geringen Dosen (0,075 g) nahm die Zahl der Schollentage weniger ab. Von allen bisher untersuchten Pflanzen übt Agnus castus den stärksten verzögernden Einfluß auf die Menstruation aus. Ein gutes Gegenmittel scheint Rosmarin zu sein. Die Frage, ob es sich bei dieser Pflanze um eine Corpus-luteum-hormonhaltige Pflanze oder um eine Pflanze handelt, die die Corpus-luteum-Hormonbildung anregt, wird von mir noch in weiteren Versuchen geprüft. Die Fortpflanzung wurde durch das Mittel in keiner Weise nachteilig beeinflußt. Die bei den Tieren beobachtete verzögernde Einwirkung auf den Östrus fand ich auch bei Frauen bestätigt.
(Madaus 1938)
Aus heutiger Sicht scheinen die früheren Befunde überprüfungs- und interpretationsbedürftig zu sein, da Prolaktin, je nach Ovulationstermin, in Nagern sowohl luteotrop als auch luteolytisch wirken kann.
(Abel et al. 1994)
Die beobachtete Prolaktin-Inhibition wurde z.T. auf eine Affinität von Vitex agn.cast.-Inhaltsstoffen zu Dopamin D-Rezeptoren zurückgeführt, was auch als Erklärung von Wirkungen beim PMS gewertet wird.
(Jarry et al. 1994, Wuttke et al. 1995)